Du kennst sicher dieses unangenehme Gefühl, wenn du eine Person siehst, die du kennst, dich aber einfach nicht daran erinnern kannst, wie sie heißt?

Wer einen guten Eindruck machen will, sollte sich unbedingt an die Namen seiner Mitmenschen erinnern, denn schon Dale Carnegie, der Autor des Bestsellers How to Win Friends and Influence People, wusste:

A person’s name is to that person the sweetest and most important sound in any language.”

Doch wie du vermutlich aus eigener Erfahrung weißt, ist das alles andere als leicht: Es ist nicht nur schwierig sich an viele neue Namen zu erinnern, es bereitet vielen Leuten auch Schwierigkeiten, sich bloß an den Namen einer einzelnen Person zu erinnern, die sie erst wenige Augenblicke zuvor kennengelernt hat.

In der Regel haben wir keine Schwierigkeiten damit, Gesichter zu identifizieren. Was uns aber Probleme bereitet, ist die Zuordnung von Namen zu Gesichtern. Als aufmerksamer Leser des Mnemoblogs weißt du sicher schon, woran das liegt: Namen sind wie Zahlen abstrakte Informationen, die keine Bilder in deinem Kopf entstehen lassen, insbesondere wenn es sich um Namen aus einem anderen Kulturkreis handelt.

Im folgenden stelle ich dir deshalb 12 Mnemotricks vor, mit denen du deine Gedächtnisleistung beim Namenmerken beachtlich steigern kannst. Selbstverständlich wirst du auch mit diesen Tricks, hin und wieder Namen vergessen – kein Gehirn ist perfekt und ein fotografisches Gedächtnis existiert nicht- aber zumindest wird das dann die Ausnahme und nicht die Regel sein.

Merke dir Namen und Gesichter mit diesen 12 Tipps:

1. Sei präsent, wenn dir der Name gesagt wird

Das war lange Zeit, ein großes Problem von mir: Immer wenn mir eine fremde Person vorgestellt wurde, dachte ich an 1000 verschiedene Dinge, aber meistens nicht daran, mir den Namen der Person zu merken: Händeschütteln, in die Augen schauen, ein interessantes Gesprächsthema finden usw.

Versuche dein Gehirn deswegen darauf zu programmieren, in solchen Situationen auf den Namen der fremden Person zu achten. Das kannst du zum Beispiel tun, indem du einen Notizzettel mit der Info “Ich achte immer auf den Namen, wenn mit eine neue Person vorgestellt wird” in deine Geldbörse legst oder auf deinen Badezimmerspiegel klebst. Dadurch, dass du diese Info jeden Tag siehst, wirst du ständig daran erinnert, in der entsprechenden Situation auf den Namen zu achten.

2. Hast du den Namen wirklich verstanden?

Oft liegt es gar nicht an dir, dass du dir einen Namen nicht merken kannst: Überraschend viele Leute sprechen ihren Namen sehr undeutlich oder leise aus, wenn sie sich vorstellen müssen. Offenbar haben sie die Erwartung, dass sich andere Leute sowieso nicht an den Namen erinnern werden.

Wenn du einen Namen nicht zu 100% klar verstanden hat, bitte die Leute einfach darum, den Namen zu wiederholen. Dadurch gibst du neuen Bekanntschaften außerdem das Gefühl, dich für sie zu interessieren (was du ja wirklich tust) und wirkst so auch viel sympatischer.

3. Wiederhole den Namen laut

Wiederhole bei der Begrüßung den Namen deiner neuen Bekanntschaft. Wenn dir jemand die Hand entgegenstreckt und sagt ”Hallo, ich bin Klaus”, antworte mit “Hallo Klaus, ich bin (dein Name), freut mich dich kennenzulernen”. Namen, die du laut aussprichst, bleiben viel besser im Gehirn haften, einfach weil du durch das Sprechen mehr Sinne ansprichst.

4. Wiederhole den Namen in deinem Kopf

Außerdem empfehle ich dir, den Namen noch einige Mal still im Kopf zu wiederholen “Klaus, Klaus, Klaus usw”. Vielleicht fällt dir hier auch schon ein Reim ein, der zum Namen passt? Klaus hat eine Laus oder Klaus will Applaus… Diese Reime sollen dir nur als Eselsbrücke dienen, ich würde sie nicht laut wiederholen, außer sie passen gut zur Situation.

5. Schaue dir das Gesicht der Person gut an

Leute, die anderen Personen nicht in die Augen schauen, tun sich oft schwer, sich an das Gesicht von neuen Bekanntschaften zu erinnern. Das liegt nicht daran, dass ihr Gedächtnis schlecht ist, sondern einfach daran, dass sie sich das Gesicht nie wirklich angesehen haben. Schaue neuen Bekanntschaften daher bewusst ins Gesicht (nicht nur in die Augen) und versuche auffällige Merkmale zu finden: Vielleicht ein Muttermal, eine bestimmte Nasenform, die Breite der Lippen oder Falten auf der Stirn. Durch diese kleine Übung wirst du dich automatisch viel besser an  das Gesicht erinnern können.

6. Verbinde den Namen mit dem Gesicht

Wenn du nun eine Auffälligkeit im Gesicht identifiziert hast, versuche den Namen mit dieser Auffälligkeit zu verbinden. Angenommen die andere Person hat sich als Susanne vorgestellt und hat zusätzlich eine breiten Mund. Vielleicht kennst du schon eine Susanne aus deinem Freundeskreis? Nimm diese Peron und setze sie in Gedanken auf den breiten Mund deiner neuen Bekanntschaft. Klingt blöd, funktioniert aber (wie alle Mnemotechniken) wahnsinnig gut.

7. Verwende eine Mnemotechnik, um komplizierte Namen zu merken

Schwieriger sind diese Eselsbrücken, wenn dein Gegenüber einen Namen hat, der aus einem anderen Kulturkreis kommt (mit dem du nichts zu tun hast).

Demirtaş (den Namen habe ich zufällig aus einer Liste Türkischer Vornamen ausgewählt) wäre zum Beispiel für jemanden der kein Türkisch spricht, nur sehr schwer zu merken und vermutlich kennst du auch keinen anderen Demirtaş, den du deinem Gegenüber als Merkhilfe ins Gesicht setzen kannst.

In diesem Fall hilft es, den Namen in seine Silben aufzuteilen:

De – mir – taş

Spontan würde ich daraus eine in Deutschen Flaggen (De) gehüllte Raumstation (MIR) machen, die in eine Tasse (taş) fällt. Das klingt jetzt noch blöder als eine mir bekannte Person in Gedanken ins Gesicht meines Gegenübers zu setzen, funktioniert aber erstaunlich gut. Es gilt die Regel: Je absurder so eine Merkgeschichte aufgebaut ist, desto leichter lässt sie sich merken.

Falls deine Merkgeschichte nicht funktioniert, dann einfach weil deine Bilder schlecht gewählt wurden. Du assoziierst “De” vielleicht nicht mit Deutschland oder Mir nicht mit Raumstation. In diesem Fall versuche einfach alternative Wörter zu finden, bei denen sich im Kopf stärkere Bilder bilden.

8. Wiederhole den Namen im Gespräch

Wie schon gesagt, solltest du den Namen sofort beim Vorstellen wiederholen. Wenn du nun mit der Person ein längeres Gespräch führst, solltest du nach ein bis zwei Minuten versuchen, den Namen im Gespräch zu wiederholen. “Demirtaş, wie lange arbeitest du hier eigentlich schon?” Oder:”Klaus, studierst du auch Jura?”

9. Frage nach, wenn dir der Name nicht einfällt

Sollte du den Name jedoch schon wieder vergessen haben, dann frage einfach nach. So früh nachzufragen, ist der am wenigsten peinliche Zeitpunkt, und es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass sich dein Gegenüber ebenfalls nicht mehr an deinen Namen erinnern kann.

10. Verwende Anki, um dir den Namen langfristig zu merken

Man muss sich nicht die Namen von allen Personen, die dir im Leben begegnen, für alle Ewigkeiten merken, aber falls du das Gefühl hast, dass dir eine Person noch öfters im Leben begegnen wird, versuche den Namen in dein Langzeitgedächtnis zu transferieren.

Das kannst du mit der Karteikarten-App Anki tun, die du vermutlich schon aus deinem Studium kennst. Mit Anki kannst du personalisierte Karten und Sets erstellen und natürlich kannst du ein Set nur für Namen und Bekanntschaften einrichten.

Ein paar Tipps für die Karteikartenerstellung:

Falls du kein Bild von der Person hast (oft lassen die sich von Facebook klauen), schreibe einfach auf die Vorderseite: Freund von Alex, den ich auf der Weihnachtsparty am 06.12.2019 kennengelernt habe. Wichtig ist nur, dass du die Person eindeutig identifizieren kannst.

Noch besser ist es, wenn du ein Bild dieser Person hast. Das kannst du einfach auf die Vorderseite deiner Ankikarte hochladen. Ich werde außerdem bald eine detailierte Anleitung zum Lernen mit Anki erstellen. 🙂

11. Trainiere das Memorieren von Namen mit Facebook

Wenn du trotz dieser Tipps weiterhin Schwiergkeiten beim Merken von Namen hast, versuche gezielt dein Gedächtnis zu trainieren. Zum Glück exitiert mit Facebook  das ideale Trainingsgelände dafür: Gehe einfach zu einer Facebookseite mit Beiträgen, die oft geliked wurden, und versuche dir die ersten 10 Personen, die den Beitrag geliked haben, zu merken. Wenn du das einen Monat lang jeden Morgen machst, wirst du wohl nie wieder Schwierigkeiten haben, dir Namen zu merken.

12. Schau dir die Liste der Teilnehmer an, bevor du zu einer Veranstaltung gehst.

Manchmal ist es trotzdem schwierig diese Tipps in der Praxis einzuladen, insbesondere wenn du dich auf einer Veranstaltung befindest, bei der du wirklich sehr viele Personen in kurzer Zeit kennenlernst oder nicht die Möglichkeit hast, dich intensiv mit allen Personen zu unterhalten, die sich dir vorstellen. Bei mir tritt dieses Problem sehr oft auf, wenn ich als Sprecher bei einem Event eingeladen bin.

In diesem Fall kannst du aber problemlos cheaten: Versuche schon im Vorhinein an die Teilnehmerliste des Events zu kommen (Geht leicht über Facebook, Meetup etc.) und präge dir die Namen ein. Wenn sich die Personen nun vorstellen, hast du womöglich schon einige gute Eselsbrücken gebaut.

Ich hoffe, dass ich dir mit diesen Tipps weiterhelfen konnte!

Dein Philipp

Willst du:

  • Ein besseres Gedächtnis bekommen
  • Dich besser an Namen und Personen erinnern
  • Mehr Vokabeln in weniger Zeit für jede Sprache lernen
  • Zahlen und komplizierte Formeln besser merken
  • Den Inhalt von Büchern, Vorlesungen langfristig im Kopf behalten

Lerne die nötigen (Mnemo)Techniken in meinem kostenlosen Minikurs:

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.