Gedächtnispalast… Klingt spektakulär, nicht? Viele kennen den Begriff aus Romanen wie Das Schweigen der Lämmer (im Film kommt er nicht vor) oder Fernsehserien wie Sherlock Holmes, wobei das Konzept eines Gedächtnispalasts dort meistens völlig falsch wiedergegeben wird.

Im Grunde ist ein Gedächtnispalast ein komplexes System an Loci-Routen (Falls du die Loci-Methode noch nicht kennst, lies dir meinen dazugehörigen Beitrag durch). Manche Leute meinen auch, dass eine einzige kurze Loci-Strecke schon als Gedächtnispalast bezeichnet werden kann. Es gibt keine offizielle Definition, deshalb meinen nicht alle Leute das gleiche damit.

Ich definiere einen Gedächtnispalast folgendermaßen:

Eine größere Anzahl an Loci Strecken, die in einem logischen Zusammenhang stehen.

Bei der Loci-Methode legst du dir eine Strecke zurecht und definierst dort mehrere Punkte, auf denen du Informationen ablegst. Wenn du dir jetzt eine große Menge an Informationen merken willst, musst du dir eine ganze Reihe von Loci-Strecken zurechtlegen. Diese kannst du in einem Gedächtnispalast zusammenfassen. Dieser muss übrigens kein Palast sein, das Wort ist meiner Meinung nach sehr irreführend: Es kann sich dabei um ein Haus, einen Garten, einen Wald oder um jede sonstige Strecke handeln. Wichtig ist nur, dass es genügend Gedankenpunkte gibt. Viele Leute finden Gebäude am besten für diesen Zweck, weil sich die Zimmer sehr gut voneinander abgrenzen lassen.

Echte oder ausgedachte Loci-Strecken?

Beim Aufbau eines Loci-Palasts kannst du folgendermaßen vorgehen:

  • Du kannst echte Orte nehmen (zum Beispiel deine Wohnung, dein Haus oder dein Stadtviertel)
  • Oder du kannst dir Orte ausdenken

Punkt zwei hat den Vorteil, dass du eine unbegrenzte Anzahl an Routenpunkten hast (anders als in deiner Wohnung). Wenn du mehr Routenpunkte benötigst, denkst du dir einfach ein neues Zimmer oder einen neuen Ort aus.

Ich kenne Leute, die sich die komplexesten Landschaften in ihrem Kopf ausdenken (und sie dann auch echt auf Papier malen). Sie können so einen unendlich großen Palast erschaffen, der nur von ihrer Phantasie limitiert ist.

Wer nicht ganz so viel Phantasie hat, kann auch zu Spielen wie Minecraft greifen, und dort Gebäude und Landschaften erstellen.

Aber egal ob du dir den Palast ausdenkst oder über deinen Computer generierst: Ich persönlich bin kein Freund von  virtuellen Gedanken-Palästen. Du musst dich nicht nur an die Informationen erinnern, die du speichern willst, sondern auch an die Routenpunkte.

Dadurch hast du einen doppelten Aufwand…

Der Vorteil von echten Routen ist, dass sie in vielen Fällen schon in deinem Gehirn abgespeichert wurden. Zudem findest du in der Realität, genügend attraktive Loci-Routen.

Stadtviertel memorieren

Wenn deine Wohnung zu wenige Routenpunkte bietet, kannst du zum Beispiel dein ganzes Stadtviertel zum Memorieren verwenden. Um etwas Ordnung zu schaffen, versuche ich zum Beispiel, Routen um Häuserblöcke zu legen, so dass (fast) jeder Häuserblock in meinem Stadtviertel eine Route ist.

Du könntest auch ein Stadtviertel für jedes Themengebiet auswählen und dir dort dann die Routen aufbauen.

Der Vorteil: Man benötigt weniger Zeit mit dem Erstellen eines Gedankenpalasts, die Routen sind schon da, sie müssen von dir höchstens einmal abgegangen werden.

Wichtig: Versuche nicht gleich von 0 auf 100 zu gehen. Erstelle deine ersten Routen in einer Umgebung die du gut kennst. Deine Wohnung, dein Haus oder dein Block bieten sich an. Lege erst später Routen an Orten fest, die du noch nicht oft besucht hast. Es ist zudem nicht wichtig, sofort einen riesigen Gedächtnispalast zu besitzen, vielmehr sollte dieser mit der Zeit langsam anwachsen. Je mehr Informationen du dir merken willst, desto mehr Routen denkst du dir aus.

Routen überspielen

Einige Routen verwende für Dinge die du dir nur kurzfristig speichern willst, wie Einkaufslisten oder die Namen von Leuten bei einem Vortrag. Diese Routen kannst du immer wieder überspielen. Dabei brauchst du keine Angst zu haben, dass das Überspielen nicht klappt und immer wieder die alten Informationen hochkommen.  Nach meiner Erfahrung merkt sich das Gehirn immer an die aktuellsten Bilder und Geschichten, die du auf einer Route abgelegt hast.

Übung: Baue eine Loci Route mit mindestens 10 Routenpunkten auf.

Dein Philipp

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