Im vorherigen Beitrag haben wir uns angesehen, wie du mit der Loci-Methode Dinge viel schneller lernen kannst. Das funktioniert kinderleicht mit anschaulichen Dingen wie Lebensmittel oder Konsumgüter, weshalb die meisten Gedächtniskünstler auch empfehlen, die Methode mit dem Memorieren einer Einkaufsliste zu erlernen.

Das Problem:

Für abstraktere Begriffe und Zahlen haben wir im Kopf keine eindeutigen Bilder gespeichert, wodurch es uns schwer fällt, sie im Kopf zu behalten.

Wie kannst du sie dir trotzdem merken?

Ganz einfach: Du wandelst die Zahlen in Bilder um. Dem Russen Solomon Schereschewski wurde Anfang und Mitte des 20. Jahrhunderts ein fotografisches Gedächtnis nachgesagt. Ob das wirklich der Fall war, ist noch immer umstritten. Wir wissen jedoch, dass Solomon  Buchstaben und Zahlen automatisch mit Sinneseindrücken und Bildern verknüpfte, so dass er Zahlenreihen als Geschichten wahrnahm:

Die Zahl 1 war für Solomon ein dünnen Mann mit schmalen Gesicht und die Zahl 87  eine dicke Frau mit einem Mann der seinen Schnurrbart zwirbelte.

Solomons Gehirn baute diese Assoziationen automatisch auf, aber auch du kannst bewusst Bilder generieren, mit denen du Zahlen leichter im Gehirn behältst. Dafür gibt es verschiedene Systeme (ich werde dir später noch vom sehr mächtigen Major-System erzählen). Für den Anfang reicht es jedoch aus, auf das Zahl-Form-System zurückzugreifen. In diesem System werden Zahlen in Bilder umgewandelt, die der Form der Zahl sehr ähnlich sind. Normalerweise werden die folgenden Codes verwendet:

  • 0 – Ein Hühnerei
  • 1 – Eine Kerze an der Wachs hinunterläuft
  • 2 – Ein weißer Schwan
  • 3 – Ein Dreizack (von Poseidon gehalten) oder ein Segelboot
  • 4 – Ein vierblättriges Kleeblatt oder ein Tisch
  • 5 – Deine Hand (sie hat 5 Finger) oder ein Sehpferdchen
  • 6 – Der Rüssel eines Elefanten
  • 7 – Eine wehende Fahne
  • 8 – Handschellen
  • 9 – Ein Golfschläger

Diese Merkbilder sind nur Empfehlungen: Wichtig ist, dass du Bilder findest, die du dir leicht vorstellen kannst und die bei dir Emotionen auslösen.

Pin-Code merken mit dem Zahl-Form-System

Mit Hilfe solcher Merkbilder kannst du dir leicht kurze Zahlenkombinationen einprägen: Vielleicht vergisst du immer wieder deinen Pincode? Mit dem Zahl-Form-System wird dir das in Zukunft nicht mehr passieren. Alles was du machen musst, ist vier Zahlen des Codes in Bilder umzuwandeln und eine kurze Geschichte zu erstellen.

Wenn wir uns den Pincode 7245 merken wollen, würde die Geschichte folgendermaßen aussehen:

Du wirfst dein Handy auf eine wehende Fahne (7), plötzlich fliegt ein weißer Schwan (2) herbei und schnappt sich dein Smartphone aus der Luft. Er lässt das Telefon in einem Segelboot (4) fallen. Du läufst hinterher und versuchst das Boot mit deiner Hand (5) festzuhalten.

Klingt absurd, du wirst aber überrascht sein, wie gut so eine Geschichte im Gedächtnis haften bleibt. Alternativ könntest du auch eine Loci-Route erstellen und auf jedem Routenpunkt ein Bild ablegen. Du kannst zum Beispiel deinen Körper als Route für den Pincode deines Handys verwenden und die Wohnung deiner besten Freundin als Route zum Merken ihrer Telefonnummer.

Probiere diese Methode einfach Mal aus. Zur Übung empfehle ich dir, Pincodes oder Telefonnummern von deinen Freunden oder deiner Familie zu merken. Um dir längere Zahlenreihen wirklich effektiv einzuprägen, empfehle ich dir aber das Major System. Diese mächtigste aller Mnemotechniken werde ich dir in einem der nächsten Beiträge vorstellen.

Bis bald,

Dein Philipp

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